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Wie alles begann.

Es war im Jahr 2001, als eine Gruppe sehr junger, vermeintlich unschuldiger Männer beschloss, dem Schützenwesen eine neue Dimension zu verleihen. Sie nannten sich „Die Scheinheiligen“ – nicht aus religiösem Eifer, sondern aus ehrlicher Selbsterkenntnis.

Schon das Gründungsdatum war maximal „scheinheilig“: Am 11.11.2001 im Jugendheim von St. Quirin, hauptsächlich von 15 Mitgliedern der KjG St. Quirin und des Neusser Rudervereins gegründet, verband uns von Beginn an mehr als nur die Freude am Feiern. Ehrenamtliches Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit gehörte ebenso dazu wie sportlicher Ehrgeiz – und die Erkenntnis, dass ein leicht schiefer Heiligenschein durchaus Charakter haben kann.

Heute zählen wir 20 Mitglieder. Aus einst umschwärmten Junggesellen sind vielfach Familienväter geworden. Feiern im „kleinsten Kreis“ bedeutet inzwischen knapp 70 Personen. Wo wir früher von jungen „Röskes“ mit Blumen überschüttet wurden, stürmen heute Kinder vom Straßenrand herbei und bringen den Festumzug kurzzeitig zum Stocken.

Den damaligen Blumensegen der jungen „Röskes“ nahmen wir sportlich, erklärten die Blütenpracht kurzerhand auch einmal zum Fackelthema und riefen die Zuschauer am Straßenrand zu noch mehr „Blumengeschenken“ auf. Das Resultat: ein inoffizieller „Röskes-Weltrekord“ – und am darauffolgenden Schützenfestmontag die morgendliche Übergabe der gut gewässerten Pracht an die Bewohner eines Alten- und Pflegeheims. Manchmal eben doch ein bisschen „… heilig“.

Apropos Großfackeln: Sie sind ein besonderes Kapitel unserer Geschichte. In 23 Fackelbaujahren entstanden 25 aufwendige Konstruktionen – jede ein Ausdruck von Kreativität, Teamgeist und nicht selten statischer Grenzerfahrung. Meist hielten sie stand. Manche vielleicht am Ende mit etwas zu wenig „Schein“, manche nur noch als Dreirad – doch sie waren bei allen Fackelzügen ohne Unterbrechung dabei.

Im Neusser Schützenwesen fühlen wir uns fest verankert. Viele unserer Väter haben uns die Tradition vorgelebt, einer errang einst die Königswürde – ein Ereignis, das bis heute regelmäßig zu unerwarteten Freudenexplosionen auf dem Markt führt, sobald ein neuer König erstmals die Parade abnimmt. Von unseren Vätern lernten wir auch den fast vergessenen „Kippesgriff“, den wir bis heute mit bemerkenswerter Präzision als einer der wenigen Grenadierzüge im Regiment beherrschen – obwohl er doch alljährlich das traditionelle Festplakat ziert.

Natürlich pflegen wir auch weniger ehrwürdige Bräuche. Legendär ist das „Getränk des Jahres“ – eine jährlich neu kreierte Spezialität, die zu jedem Antreten gereicht wird. Selbst sonntags um 6:45 Uhr. Diese wohl früheste, einmalig dokumentierte Antrittszeit lässt sich rückblickend nur mit jugendlichem Leichtsinn oder ausgeprägter Leidensfähigkeit erklären.

Ein weiteres Markenzeichen unseres Zuges sind unsere selbst gedichteten Lieder. Als musikalisches Gastgeschenk bei Einladungen vorgetragen – mit Leidenschaft, Inbrunst und einer sehr eigenen Interpretation von Tonhöhe und Rhythmus. Die Darbietung ist meist makellos. Also fast. Textsicher sind wir zumindest überwiegend. Der tosende Applaus ist uns dennoch gewiss – ob aus Begeisterung oder aus Erleichterung, dass es vorbei ist, bleibt meist offen.

In 25 Jahren haben wir gelernt: Tradition ist nichts Starres. Sie lebt von Menschen, die sie tragen – mit Humor, Engagement und der Fähigkeit, auch über sich selbst zu lachen. „Scheinheilig“ zu sein bedeutet für uns nicht, perfekt zu wirken, sondern authentisch zu bleiben.

Und so blicken wir dankbar zurück auf unvergessliche Schützenfeste, lange Nächte, unsere immer größer werdende Schützenfamilie, kreative Fackelideen und musikalische Grenzerfahrungen. Der Heiligenschein sitzt vielleicht nicht immer ganz gerade – aber er gehört zu uns und hat uns ganz gewiss viele Jugendfreundschaften erhalten.